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Neubau Illerbrücke Thanners
Ankerlose Taktschiebeanlage für Sichtbetonbrücke
Bei Thanners im Allgäu errichtet die Arge aus Xaver Riebel GmbH & Co., Mindelheim und Alpine Bau Deutschland AG, Niederlassung Halle-Leipzig, im Zuge des Neubaus der B 19 eine 254 m lange Brücke in Sichtbeton über die Iller. Als große Besonderheit dabei gilt die ankerlose Herstellung der beiden Überbauten im Taktschiebeverfahren. Konzept und Schalung lieferte die Deutsche Doka zuverlässig.
Im ankerlosen Taktschiebeverfahren entsteht bei Thanners im Allgäu eine neue Brücke über die Iller Foto: Doka
Normalerweise wird bei Taktschiebebrücken die Innenschalung mit der Außenschalung der Taktschiebeanlage geankert, um die auftretenden Lasten zu beherrschen. Innen- und Außenschalung sind demnach stark voneinander abhängig. Nach dem Betonieren und Ausschalen müssen beide Teile der Schalung wieder mühsam gegenseitig angepasst werden. Spezielle Passelemente oder andere bauseitige Ausgleichsvorrichtungen sind die Regel. Beim Bau der neuen Brücke über die Iller entschloss sich die bauausführende Arge komplett gegen diese aufwändige und teure Lösung. Sie entschied sich für das zeit- und kostensparende Konzept der Doka-Schalungstechniker.

Bereits in der Vergangenheit hat Alpine zusammen mit Doka erstmals eine ankerlose Taktschiebebrücke erfolgreich realisiert. Die dort gewonnenen Erkenntnisse und guten Erfahrungen sprachen eindeutig wieder für das ankerlose Bauverfahren beim Projekt „Illerbrücke Thanners“, das Doka hier weiterentwickelte. Sichtbeton in allen Bauteilen musste dabei zudem gewährleistet sein. Die beiden Überbauten der Brücke bestehen aus jeweils neun Segmenten mit Taktlängen zwischen 25,00 und 33,70 m. Nach ihrer Fertigstellung wird erwartet, dass täglich bis zu 24.000 Fahrzeuge über die neue zweibahnige Trasse der B19 fahren werden. Doch bis dahin hat die bauausführende Arge noch einiges zu tun.
Innenschalung komplett von Außenschalung entkoppelt
Der unter der Schalung für die Taktschiebeanlage liegende Taktkeller war bereits zuvor bei einem anderen Projekt im Einsatz gewesen. Für das Projekt in Thanners musste Doka die Schalung der Taktschiebeanlage auf diesen bauseits vorhandenen Taktkeller anpassen. Herausforderung an Statik und Material waren die großen Einflussbreiten der Querträger des vorhandenen Taktkellers und der Betondruck aus der ankerlosen Schalung. Beides erforderte von der Doka-Anwendungstechnik in Maisach eine ganz spezielle Lösung.

Dazu bot es sich an, für den Überbau auf den Baukasten des für den Tunnelbau entwickelten Schwerlast-Traggerüsts SL-1 zurückzugreifen. Bei der Bauma 2007 hatte Doka erstmals die neuen Mehrzweckriegel WU16 und Spindelstreben T16 vorgestellt. In Kombination mit dem ungewöhnlichen Schalungsträger H24 dienten sie jetzt bei der neuen Illerbrücke als Problemlöser, um die Außenschalung der Taktanlage statisch und wirtschaftlich zu optimieren. Die Innenschalung besteht aus speziellen Top 50-Elementen mit vertikalen Stegen aus Mehrzweckriegeln WU12 an Stelle der üblichen WS10. Zur Ableitung des Betondrucks auf die Innenschalung spreizen Stahlsonderstreben die Top 50-Elemente gegeneinander aus. Aufgrund der Stahlstreben sind die Innenelemente paarweise umzusetzen. Der Auftrieb der geneigten Innenschalung wird ohne Sonderteile über die Kragarmschalung in den Taktkeller abgeleitet. Dafür sorgen oben an den geneigten Stegen waagrecht angebolzte Mehrzweckriegel WU16. Dies vermeidet die sonst übliche, teure Überträgerung der Schalung mit langen und schweren WU 400-Stahlprofilen.

Durch die unterschiedlichen Lagen der Lisenen und Querträger zu den Taktfugen besitzt die Innenschalung in jedem Takt eine andere Länge. Bei einer geankerten Schalungslösung hätte dies unterschiedliche Passelemente zur Folge. Bei der Illerbrücke ist die Innen- von der Außenschalung komplett entkoppelt. Die Innenelemente lassen sich bei jedem Takt so anordnen, dass kostensparend nur ein Ausgleichsbereich entsteht. Ein einziges gegeneinander ausgespreiztes Trägerrostpaar aus Top 50-Elementen reicht aus, um den Ausgleich zu schließen, indem es in die benachbarten Elemente eingreift. Doka-Projektingenieur Benedikt Willecke erläutert: „Die H20-Träger der Ausgleichsbereiche lassen sich mit Schalhaut belegen und einfach zwischen die Träger der Innenschalung einschieben.“

In mehrfacher Hinsicht vereinfacht die ankerlose Schalung den Ablauf und die Logistik auf der Baustelle: Die Arge konnte die Schalungsvorhaltung auf ein Minimum reduzieren und teure Arbeiten, wie bauseitige Ausgleiche, Ankern der Schalung, sowie Schließen der Ankerlöcher einsparen. „Die ankerlose Lösung hilft bei der 254 m langen Illerbrücke beim Sparen, denn jede Ankerstelle kostet Zeit und Geld. Erst beim Einbau, dann beim Um- und Ausbau und schließlich beim Abdichten der Ankerlöcher“, betont Doka-Fachberater Manfred Rosner.

Das Wegfallen dieser personalintensiven Tätigkeiten ermöglicht auch die Einhaltung des straffen Zeitplans. Sobald der Beton ausgehärtet ist, senkt die Baustellenmannschaft die Schalung ab und eine Hydraulik schiebt den Takt weiter. Die Schalung kann die bereits vorbereitete Bewehrung für den nächsten Abschnitt sofort aufnehmen. Der Schalungstrupp kann die Bewehrung nun am Stück komplett in die Taktschiebeanlage einziehen und den Takt für die nächste Betonage vorbereiten.

Widerlager und konische Pfeiler in Brettschalung
Widerlager-, Pfeiler- und Überbauschalung baute der Fertigservice der Doka-Niederlassung München entsprechend der Anforderungen. Mit Brettschalung im Schiffsverband belegte Doka-Trägerschalung FF20 diente zum Schalen der Widerlager. Architektonische Elemente befinden sich in der Außenhaut der Brücke über den Widerlagern. Ein vorher präzise festgelegter Wechsel von glatter und sägerauer Schalung lässt eine aufgehende Sonne im Beton erscheinen.

Die unterschiedlich hohen, konischen Pfeiler der Brücke besitzen einen elliptischen Grundriss. Als Schalung dienten Elemente der Doka-Trägerschalung Top 50, montiert auf Kletterkonsolen MF240. Dabei war die Top 50-Schalung der Pfeiler – wie die Widerlager – ebenfalls mit Brettschalung im Schiffsverband belegt. Die aus nur wenigen Einzelteilen bestehende Doka-Kletterschalung MF240 passt sich an jede Anforderung an. Sie bietet bei jeder Wandneigung einfaches und präzises Einrichten der Schalelemente in allen Achsen. Da sich der Pfeiler von unten nach oben aufweitet, erfordert jeder Kletterabschnitt einen eigenen Satz Schalung und Bühnen. Die Schalung wurde dabei nicht vom Boden nach oben geplant, sondern von der Brücke aus nach unten.

Insgesamt weist die Illerbrücke acht unterschiedlich hohe, paarweise versetzt angeordnete Pfeiler auf. Um die Pfeiler trotz der Höhenunterschiede möglichst rationell zu schalen, entschied man sich, die Anfängertakte von 2,83 bis 7,05 m zu variieren. Dazu lässt sich der Schalungssatz für den Anfänger entsprechend aufstocken. Nach dem ersten Takt sind alle Pfeiler gleich hoch, was die Schalungsvorhaltung und den Bauablauf wesentlich erleichtert. Takt 2 und Takt 3 kommen so bei allen Pfeilern einheitlich auf Betonierabschnittshöhen von 6,00 m, der Pfeilerkopf auf 6,20 m. Zudem kann der Kran die Schalungssätze ganz einfach von Pfeiler zu Pfeiler in den gleichen Takt umsetzen. Projektleiter Rudolf Mayer lobt das Konzept der Doka-Schalungstechniker: „Die erwartungsgemäß guten Systeme sind sehr überlegt eingesetzt, so dass wir nur eine geringe Vorhaltemenge brauchen.“
Bauausführung: Arge Xaver Riebel Bauunternehmung GmbH & Co., Mindelheim und Alpine Bau Deutschland AG, Niederlassung Halle-Leipzig
Schalungsberatung: Doka-Anwendungstechnik, Maisach
Maisach, 24.04.2008
Statisch und wirtschaftlich optimierte Außenschalung der Taktanlage aus Mehrzweckriegeln WU16, Spindelstreben T16 und – ungewöhnlich – Schalungsträgern H24

Foto: Doka
Sonderstreben in der Innenschalung vermeiden die sonst übliche Überträgerung mit langen und schweren WU 400-Stahlprofilen

Foto: Doka
Ausgleichsbereiche der Innenschalung mit Top50-Elementrosten, jeweils passend mit Schalhaut belegt und einfach zwischen die Träger der benachbarten Innenschalung eingeschoben

Foto: Doka
Unterschiedlich hohe, konische Pfeiler mit elliptischem Grundriss, ankerlos geschalt mit Doka-Trägerschalung Top 50, montiert auf Kletterkonsolen MF240

Foto: Doka